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Zum neunten, wenn es heißt: Der Mensch könne dazu gelangen, daß "der äußere Mensch gehorsam ist dem inneren Menschen bis zu seinem Tod" etc., so ist dies offenkundig als wahr erwiesen durch die Heiligen und Märtyrer, nach dem Worte: 'Um die Gerechtigkeit kämpfe für deine Seele, ja bis zum Tode kämpfe für die Gerechtigkeit', und bei Joh.: 'Wer seine Seele haßt um meinetwillen' der wird sie erhalten zum ewigen Leben.
Zum zehnten, wenn es heißt: "Ich dachte neulich, ob ich von Gott etwas nehmen oder begehren wollte" etc., so habe ich ein solches Wort vor langer Zeit einmal gebraucht, aber es ist schlecht verstanden worden. Ich wollte nämlich nicht etwa behaupten, daß man zu Gott nicht beten solle, sondern ich sagte es, um Gottes Güte zu preisen, die an der Türe steht und klopft, wie es in der Geh. Offenb., 3. Kap., heißt. Auch wollte ich sagen, daß Gott bereiter ist zu geben aus seiner freigebigen Fülle, als der Mensch zu empfangen. Is. 30: 'Gott wartet eurer, daß er sich euer erbarme', und ähnlich.
Zum elften, wenn es heißt: "Der Mensch, der in Gottes Liebe steht" der muß sich selbst tot sein etc., so enthält dieser Satz zweierlei: Das erste, daß der vollkommene Mensch der Welt und den Geschöpfen abgestorben sein muß; desgleichen, daß der vollkommene Mensch seinen Nächsten so sehr lieben solle wie sich selbst. - Das ist beides wahr, in Übereinstimmung mit der Schrift, wo bei Matth. und Luk. 'so sehr wie dich selbst', bei Marcus 'gleichwie dich selbst' steht - ein Wort, das Augustinus sich oft zu eigen macht. Das 'Gleichwie' bedeutet 'ebenso sehr wie' - und das gehört freilich zur Vollkommenheit. Denn die Gnade ist erhabener als die Natur und gehört einer höheren Ordnung an. [6]. Und wer Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit ganzem Gemüte und aus allen seinen Kräften liebt, der hat gewiß außer Gott nichts, was er im Verhältnis zu einem anderen mehr oder weniger liebte. Wer nämlich das eine mehr liebt als das andere, der liebt in den Geschöpfen das Geschöpf und liebt nicht das Eine: Gott in allem und alles in Gott. Im Einen gibt es kein Mehr oder Weniger. Das ist es auch, was der Herr ausdrücklich (bei Matth.) sagt: 'Wer mehr liebt', 'ist meiner nicht wert.' Denn Gott ist der Eine, 'in dem es keine Zahl', also kein Mehr und Weniger gibt.
Was im zwölften Satz über Paulus angeführt wird, ist durchaus wahr: Paulus ließ Gott um Gottes willen, da er zwar sich sehnte, 'aufgelöst und bei Christus zu sein', aber um der Brüder willen, die er in Christo liebte, und um Gottes willen noch länger zu leben verlangte. Um Gottes willen lassen ist Sache der Vollkommenheit - und Paulus ließ fürwahr um Gottes willen, was er von Gott nehmen konnte und was Gott ihm geben konnte: sonst hätte er ja die Gabe Gottes mehr geliebt als Gott selbst. Und das 'propter' um ... willen - wenn ich sage 'Gott um Gottes willen' - bezeichnet das Ziel, die Zweckursache, die stets die höchste und erste aller Ursachen ist.
Zum dreizehnten, wenn es heißt,: "Es ist in der Seele gleichsam eine Burg" etc., so habe ich zu bemerken: Es ist in dieser Predigt viel Dunkles und Zweifelhaftes, was ich niemals gesagt habe. Wahr jedoch ist, wie es dort heißt, daß Gott als Wahrheit erfaßt wird vom Verstand und als Gutheit vom Willen - also von Kräften der Seele unter der Rücksicht des Seins aber teilt er sich dem Wesen der Seele mit. Und es dient dies zur Lehre, daß der Mensch Gott lieben und nach ihm allein ohne alle Verhüllung trachten soll, in keuscher und reiner Liebe nach dem Wort Gottes Gen.15: 'Ich' 'bin dein übergroßer Lohn' .
Zum vierzehnten, wenn es heißt: "Wie mein Leib mit meiner Seele vereinigt ist im Sein" etc., so ist das wahr und ein Wort Christi bei Joh., das uns darüber belehrt, daß wir, wenn aller Liebe zu den Geschöpfen ledig geworden, mit Gott geeint werden, wie nach dem angeführten Beispiel die Speise der Form des Brotes oder Fisches ledig werden muß, um mit dem Speisenden eins zu werden. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken, daß man Beispiele zu gebrauchen pflegt, 'damit der Lernende Verständnis gewinne', wie der Philosoph sagt.
Wenn aber in dem gleichen Satz gesagt wird: "Ähnlich-sein ist übel und täuschend", so ist es dasselbe, was Augustinus (II 1. Soliloquiorum) ausspricht: 'Die Ähnlichkeit der Dinge ist die Mutter der Unwahrheit'. So trügt und täuscht z. B. reines Erz oder Bronze, daß es für Gold gehalten wird, weil es dem Golde ähnlich ist. Und Seneca sagt (Prologo Declamationum): 'Niemals wird der Nachahmer dem Vorbild ebenbürtig. Dies ist in der Natur der Sache gelegen: immer bleibt die Ähnlichkeit hinter der Wahrheit zurück'. Desgleichen Cicero (De natura deorum 1. I): 'Keine Kunst vermag es dem Erfindungsgeist der Natur gleichzutun'.
Zum fünfzehnten, wenn es heißt: "Alle Kreaturen sind ein bloßes Nichts" etc., so ist zu sagen, daß dies eine reine, fromme und nützliche Wahrheit ist, wohl tauglich zur sittlichen Unterweisung, um zur Verachtung der Welt, zur Liebe Gottes und Gottes allein zu führen. Das Gegenteil zu meinen ist ein Irrtum des unerfahrenen Menschen und ohne Zweifel eine gefährliche Häresie, wenn sie blindlings verteidigt wird. Darum heißt es bei Joh. 1: 'Alles durch ihn Gemachte ist , und ohne ihn ist nichts Gewordenes ist das Gewordene ein Nichts'. Dies und nichts anderes will dieser fünfzehnte Satz besagen.
Zum sechzehnten, wenn es heißt: "Wie es auch sei, daß dir ein anderes besser schiene oder besser wäre" etc., so ist zu sagen, daß dies durchaus wahr ist. Wenn der Mensch sich selbst gänzlich verleugnet und sich dem göttlichen Willen völlig gleichförmig macht, indem er einzig das will und liebt, daß in ihm selbst und in allem andern Gottes Ehre und Wille erfüllt werde bei allem, was Gott geben mag oder nicht geben mag - so wird alles und jedes eben deshalb, weil Gott es so und so will, von einem wahren Gottesfreund als das beste aufgenommen und ist dann auch wirklich das beste. Das beste ist: wollen, was Gott will. Denn eben dadurch, daß Gottes Wille etwas will, macht er es gut. Hierher gehört das Wort Matth. 6: 'Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.'
Die Sätze, die dem Trostbuch entnommen wurden:
Folgendes sind die Sätze, die aus dem in deutscher Sprache geschriebenen Büchlein entnommen wurden, das Meister Eckehart an die Königin von Ungarn sandte und das folgendermaßen anheb:Benedictus Deus - 'Gepriesen sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus':
Erstens. "Der Weise und die Weisheit, wahr und die Wahrheit, gerecht und die Gerechtigkeit, gut und die Güte entsprechen sich gegenseitig und hängen derart miteinander zusammen, daß die Güte weder geschaffen, noch gemacht, noch gezeugt sondern nur zeugend ist, und zwar den Guten zeugt, sofern er gut ist."
Zweitens. "Der Gute, sofern er gut ist, ist ungemacht und ungeschaffen, und doch ist er gezeugt, Kind und Sohn der Güte."
Drittens. "Die Güte zeugt sich und alles, was ihr eigen ist Sein, Erkennen, Lieben und Wirken aus dem Herzen und von dem Innigsten der Güte und aus ihr allein."
Viertens. "Güte und Gut sind nur eine Güte allein durchaus in allem, außer daß jenes zeugt und dieses gezeugt wird. Desungeachtet ist doch Zeugen in der Güte und Gezeugtwerden im Guten ein und dasselbe: ein Sein und Leben. Alles, was des Guten ist, das empfangt er von der Güte, und da ist und lebt und wohnt er, und da erkennt er sich selbst und alles, was er erkennt, und da liebt er, was immer er liebt, und wirkt mit der Güte und in der Güte alle seine Werke, und eben diese Güte mit ihm und in ihm, wie geschrieben steht und der Sohn sagt: 'Der Vater, der in mir bleibt, er tut die Werke', und 'Der Vater wirkt bis zur Stunde, und auch ich wirke', und alles, was des Vaters ist, das ist mein, und alles, was mein ist, das ist des Vaters, nämlich sein durch Geben und mein durch Empfangen."
"Auch soll man wissen, daß, wenn wir etwas 'gut' nennen, der Name oder das Wort Güte nichts anderes, weder mehr noch weniger in sich faßt und beschließt als die bloße und lautere Güte. Doch gibt er es , wenn wir etwas 'gut' nennen und wir sind uns dessen bewußt, daß seine Güte ihm gegeben, eingeflossen und eingeboren ist von der ungezeugten Güte. Darum heißt es im Evangelium: 'Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, also hat er dem Sohne gegeben, daß er dasselbe Leben auch in sich selbst habe'. Es heißt 'in sich selbst', nicht 'aus sich selbst', denn der Vater hat es ihm gegeben."
Der Schluß lautet: "Alles, was ich nun gesagt habe vom Guten und von der Güte, das gilt auch ebenso von dem Wahren und von der Wahrheit, von dem Gerechten und von der Gerechtigkeit, von dem Weisen und von der Weisheit, von Gottes Sohn und von Gott dem Vater, von allem, was aus Gott geboren ist und was keinen Vater auf Erden hat, in dem sich auch nichts zeugt, was geschaffen und was nicht Gott selber ist und in dem auch keinerlei Bild ist als Gott, bloß und lauter allein. Denn so spricht auch Johannes in seinem Evangelium:" 'Die nicht aus dem Blute'" etc.
"Unter dem Willen des Mannes meint Johannes die höchsten Kräfte der Seele, der Natur. Die haben nichts mit etwas gemein und sie stehen in Lauterkeit abgeschieden von Zeit und Raum und von allem, was zeitlich und räumlich eine solche Beziehung oder einen Geschmack danach aufweist, die mit nichts etwas gemein haben, durch die der Mensch nach Gott gebildet und durch die er von Gottes Geschlecht und Art ist. Und dennoch, weil sie nicht selber Gott sind, weil sie in der Seele und mit der Seele geschaffen sind, müssen sie ihrer selbst entbildet und in Gott allein überbildet, in Gott und aus Gott geboren werden, auf daß Gott allein Vater sei; denn also sind sie auch Söhne und Gottes eingeborener Sohn. Denn alles dessen bin ich Sohn, das mich nach sich und in sich gestaltet und zeugt."

An dieser Stelle ein Einschub. Gegenüberstellung von fünf Texten:
1. Eckhart im edierten 'Original':
"Ein sôgetân mensche, gotes sun, guot der güete sun, gereht sun der gerehticheit, alsô verre er aleine ir sun ist, sô ist si ungeborn-gebernde, und ir geborn sun hât daz selbe eine wesen, daz diu gerehticheit hât und ist, und tritet in alle die eigenschaft der gerehticheit und der wârheit." (Acta Echardiana, Processus .. S. 202)

2. Die Übersetzung der Ersteller der ersten Liste (1326):
"Talis homo, filius dei, bonus et bonitatis filius, iustus et iustitiae filius, pro quanto ipse est ipsius solius filius, ipsa ingenita generans et genitus filius habet hoc ipsum unum esse quod iustitia ipsa et est et intrat in omnem propietatem iustitiae."

3. Die Übersetzung von Karrer (1927):
"Ein solcher Mensch ist dann Gottes Sohn, gut und der Güte Sohn, gerecht und Sohn der Gerechtigkeit. Sofern er nur Sohn von ihr allein ist, hat sie, nämlich die ungezeugt-zeugende (Güte, Wahrheit, Gerechtigkeit usf.) und er, der gezeugte Sohn, dasselbe eine Sein, das die Gerechtigkeit hat und ist, und er tritt in alle Eigenschaft der Gerechtigkeit [und Wahrheit]."

4. Die Übersetzung von Quint (1963):
"(Soweit) ein solcher Mensch, Gottes Sohn, gut als Sohn der Gutheit, gerecht als Sohn der Gerechtigkeit einzig ihr (d.h. der Gerechtigkeit) Sohn ist, ist sie ungeboren-gebärend, und ihr eingeborener Sohn hat dasselbe eine Sein, das die Gerechtigkeit hat und ist, und er tritt in den Besitz alles dessen, was der Gerechtigkeit und der Wahrheit eigen ist."

Fünftens: "Der Mensch soll beflissen sein, daß er sich entbilde und entblöße seiner selbst und aller Kreatur und keinen Vater kenne denn Gott allein. Dann kann ihn nichts verdrießen noch betrüben, weder Gott noch Kreatur, weder Geschaffenes noch Ungeschaffenes, und all sein Sein, Leben, Erkennen, ist aus Gott und in Gott und Gott."
Sechstens. "Mein Herz und meine Liebe gibt dem Geschöpf die Güte, was Gottes Eigenschaft ist."
Siebtens. "Ein solcher Mensch ist so eins und einwillig mit Gott, daß er alles das will, was Gott will, und in der Weise, wie Gott es will. Und darum, da Gott doch irgendwie will, daß ich auch Sünde getan habe, so wollte ich nicht, daß ich sie nicht getan hätte. Denn so geschieht Gottes Wille 'auf Erden', d. i. in Missetat, 'wie im Himmel', das ist im Rechttun, und so will der Mensch Gott um Gottes willen entbehren und um Gottes willen von Gott geschieden sein; und das ist allein rechte Reue meiner Sünde; so ist mir Sünde leid ohne Leid, und so hat auch Gott Leid um alle Bosheit ohne Leid. Leid und mein meistes Leid habe ich um Sünde, da ich nicht Sünde täte um alles, was geschaffen ist, doch ohne Leid."
Achtens. "Der gute Mensch, sofern er gut ist, tritt in alle Eigenschaft der Güte selbst, die Gott in sich selber ist."
Neuntens. "Vielleicht nimmt man Gott eigentlich mehr durch Entbehren als durch Empfangen. Denn wenn der Mensch empfängt, so hat die Gabe etwas in sich selbst, weshalb der Mensch froh und getröstet ist. So man aber nicht empfängt, so hat man nichts, und so hofft und weiß man nichts, des man sich freue als Gott und Gottes Willen allein."
Zehntens. "Unser Herr bat seinen Vater, daß wir eins seien, durch Einheit eins und nicht allein vereint. Dieser Rede und dieser Wahrheit haben wir ein offenkundiges Beispiel und Erweis in der Natur äußerlich sichtbar: Wenn das Feuer wirkt und angezündet ist und das Holz ergreift, so macht das Feuer das Holz fein und sich selbst unähnlich: es benimmt ihm Grobheit, Kälte, Schwere und Feuchtigkeit des Wassers und macht das Holz sich selbst, nämlich dem Feuer, ähnlich, mehr und mehr. Doch ruhen beide nicht und begnügen sich nicht und geben sich nicht zufrieden, weder Feuer noch Holz, mit keiner Wärme und Ähnlichkeit, bis daß das Feuer sich selbst im Holze erzeugt und ihm seine eigene Natur gibt und auch sein eigenes Sein, so daß das Ganze ein gleiches Feuer ist, ungeschieden, weder mehr noch weniger."
Und kurz danach folgt: "Und ich sage euch in der Wahrheit, daß die verborgene Kraft der Natur heimlich die Ähnlichkeit haßt, sofern sie Unterschied und Zweiung bedingt"
Und gleich darauf: "Und darum habe ich gesprochen, daß die Seele die Ähnlichkeit als solche haßt, aber sie liebt sie wegen des Einen, das in ihr verborgen ist und das ein wahrer Vater ist, ein Beginn ohne allen Beginn aller Dinge im Himmel und auf Erden"
Und hierfür wird das Wort des Evangeliums angeführt: Herr zeige uns den Vater, so genügt es uns! "Philippus, wer mich sieht" der sieht den Vater etc.
Elftens. "Kein Zweifel, daß auch die natürliche menschliche Tugend so edel und kräftig ist, daß ihr kein äußeres Werk zu schwer ist, noch groß genug, daß sie sich darin wie in einem Bilde darstellen könnte. Und darum ist ein anderes, mehr inneres Werk, das weder Zeit noch Ort umschließen oder fassen kann; und in diesem Werk ist etwas, was göttlich und Gott ähnlich ist, den auch weder Zeit noch Ort in sich begreift; denn er ist allenthalben und alle Zeit gleich gegenwärtig. Und auch darin gleicht es Gott, daß ihn keine Kreatur vollkommen empfangen könnte, noch Gottes Güte in sich bilden; und darum muß etwas Innigeres und Höheres sein, ungeschaffen ohne Maß und Weise, daß sich der himmlische Vater ganz darin einbilden und ergießen und darstellen könne: das ist der Sohn und der heilige Geist. Auch kann niemand das innere Werk der Tugend hindern, so wenig als man Gott hindern kann. Dies Werk scheint und leuchtet Tag und Nacht; dies Werk singt Gottes Lob und singt einen neuen Gesang." Im Folgenden wird gesagt: "Dies Werk ist Gott lieben".
Zwölftens. "Der gute Mensch will und wollte allezeit leiden um Gottes willen, und nicht nur gelitten haben. Leidend hat er, was er liebt: er liebt Leiden um Gottes willen, und er leidet um Gottes willen; und darum ist er Gottes Sohn, nach Gott und in Gott transformiert. Er liebt um seiner selbst willen, das heißt, er liebt um der Liebe und wirkt um des Wirkens willen. Und darum liebet Gott und wirkt ohne Unterlaß. Und für Gott wirken ist seine Natur, sein Wesen, sein Leben, sein Heil oder seine Seligkeit. Also wahrlich ist es dem Sohne Gottes, einem guten Menschen, soviel oder soweit er Gottes Sohn ist, sein Wesen, sein Leben, sein Heil oder seine Seligkeit, um Gottes willen zu leiden, um Gottes willen zu wirken. Denn, wie unser Herr spricht: 'Selig sind, die da leiden um der Gerechtigkeit willen'" etc
Dreizehntens. "Ein guter Mensch, sofern er gut ist, hat Gottes Eigenschaft nicht allein, sofern er alles, was er liebt und wirkt, um Gottes willen liebt und wirkt, den er liebt und für den er wirkt, sondern er liebt und wirkt auch um seiner selbst willen, der da liebt. Denn was er liebt, das ist Gott Vater ungeboren, und der da liebt, ist Gott Sohn, geboren. Nun ist der Vater in dem Sohne und der Sohn in dem Vater. Vater und Sohn sind eins."
Vierzehntens. Keine redliche Seele ist ohne Gott; der Same Gottes ist in uns. Hätte sie einen guten und weisen und fleißigen Werkmann, so nähme sie desto besser zu und wüchse auf in Ähnlichkeit Gottes, des Same sie auch ist, und würde die Frucht ähnlich: eine Natur Gottes. Birnbaumes Same wachset zu Birnbaum, Nußbaums Same zu Nußbaum, Same Gottes zu Gott"
Fünfzehntens. "Aller Unterschied ist Gott fremd." Unterschied ist weder in der Natur Gottes noch in den Personen" . Beweis: "Die göttliche Natur ist eine und diese ist eins, und jede Person ist eine und ist dasselbe eine, was die Natur ist, eine jede göttliche Person und alle drei Personen zusammen sind dasselbe eine"

Die Sätze, die einer Erwiederung auf die Sätze, die dem "Trostbuch" entstammen, entnommen wurden:
Dies sind die Sätze, die einer Erwiderung Meister Eckeharts auf die Sätze entnommen sind, die man in seinem Buch beanstandet hatte, das anhebt: (Benedictus Deus) 'Gepriesen sei Gott und der Vater', ein Buch, das er selbst geschrieben hat.

Erster Satz. Wer aus Einfalt glaubte, sagte oder schriebe, es gebe etwas Ungeschaffenes in der Seele als deren Teil, der wäre darum noch kein Häretiker und würde auch nicht verdammt. Und er fügt an, der Sentenzenmeister sei in dem Glauben befangen gestorben - nachdem er ihn mündlich und schriftlich vertreten habe - daß es nicht eine geschaffene Zuständlichkeit der Liebe in der Seele gebe, sondern daß diese vom ungeschaffenen heiligen Geiste allein bewegt werde.
Zweitens. Materie und Akcidens verleihen dem Zusammengesetzten kein Sein, sondern das ganze Zusammengesetzte erhält sein Sein allein von der Wesensform.
Drittens. Der Gute, sofern er gut ist, empfängt sein ganzes Sein von der ungeschaffenen Güte. Und dieses 'sofern er gut ist' bezeichnet einzig die Güte, die Gott selbst ist, sowie das Weiße die bloße Weiße
Der vierte das wahrste und beste Gebet das ist, wodurch der Gute die Güte, der Gerechte die Gerechtigkeit, der Wahre die Wahrheit verehrt. 'Die wahren Anbeter beten den Vater im Geiste und in der Wahrheit an.' Denn 'Gott ist Geist' und ist 'die Wahrheit'. Hinsichtlich der äußeren Kniebeugung, Verneigung des Kopfes und ähnlicher Übungen, die äußerlich seien und auf die Einbildungskraft des ungebildeten Volkes Eindruck machten, wird die Bemerkung eingestreut: 'Ihr betet an, was ihr nicht kennt'.
Fünftens. Aequivoca werden auf Grund der verschiedenen Dinge unterschieden; Univoca auf Grund der verschiedenen Eigenschaften der Dinge; Analoga werden weder durch das eine noch durch das andere unterschieden, sondern nur nach den verschiedenen Weisen der numerisch selben Sache. Als Beispiel dafür führt er an: Es ist eine und dieselbe animalische Gesundheit, von der aus etwa der Urin, die Lebensweise usf. analogerweise als gesund bezeichnet werden. In Urin selbst ist nicht mehr Gesundheit als in einem Stein; er heißt gesund deshalb, weil er durch irgend eine seiner Eigenschaften ein Zeichen jener Gesundheit enthält, in dem Lebewesen ist. Und danach fährt er fort: ganz ebenso stehe im vorliegenden Fall auch das Gute und das Sein in Gott einerseits und im Geschöpf anderseits im Verhältnis der Analogie zu einander, denn durch eine und dieselbe Güte, die in Gott ist und die Gott selbst ist; durch die sind alle Guten gut.
Der sechste die elementaren Eigenschaften ihr Sein univoce d. i. eindeutigvom Subjekt, durch das Subjekt und in dem Subjekt erhalten. Beim Analogieverhältnis hingegen, also im Fall der Gerechtigkeit, Wahrheit usf., ist es nicht so, sondern umgekehrt: Denn sie empfangen ihr Sein nicht vom Subjekt, sondern vielmehr das Subjekt empfängt von ihnen, durch sie und in ihnen das Gerechtsein, Wahrsein, Gutsein und alles derartige, das früher ist als seine Träger und noch bleibt, wenn diese schon zugrunde gegangen sind, wie Augustinus De Trinitate 1. VIII c. 3 schön ausführt.

Die Sätze, die der Auslegung des Buches Genesis entnommen wurden:
Folgendes sind die Sätze aus einem Buche Meister Eckeharts, und zwar jener Schrift entnommen, die er über die Genesis verfaßt hat.

Erstens. "Hieraus geht deutlich hervor, daß die hl. Schrift in übertragenem Sinne auszulegen ist. Denn das, was in diesem dritten Kapitel gesagt wird, erklären die Heiligen und Lehrer durchwegs bildlich. Wenn man demgemäß auslegt, was hier über die Schlange gesagt wird, so kann man unter der Schlange die sinnlichen Vermögen, unter dem Weibe das niedere und unter dem Manne das höhere Vernunftprinzip verstehen. Unter dieser Voraussetzung scheint man, unbeschadet der sonstigen Auslegungen der Heiligen und Lehrer, möglicherweise vielleicht ebensowohl historisch wie bildlich sagen zu können, daß der übertragene Sinn von Schlange, Weib und Mann sich mit dem geschichtlichen oder buchstäblichen decke, wie es auch im Buch der Richter im 9. Kap. heißt: 'Es hielten die Bäume Versammlung und salbten einen König über sich und sprachen zum Ölbaum: Herrsche du über uns'. So ist nämlich auch, wenn wir sagen: 'Es lacht die Flur' oder 'Das Wasser läuft' der buchstäbliche Sinn der, daß die Wiese blüht und das Blühen ihr Lachen ist und ihr Lachen das Blühen. Wenn man auf solche Weise erklärt, was hier von Schlange, Weib und Mann gesagt wird, so werden viele Zweifel wegfallen, die man geltend zu machen pflegt, z. B. wie die Schlange und das Weib zusammen reden konnten."
Zweitens. "Bei der Rechtfertigung des Sünders wirken notwendig zusammen die ungezeugte, zeugende, hervorbringende Gerechtigkeit einerseits und die willfahrende anderseits. Desgleichen: Was mitwirkt, kann keine andere Gerechtigkeit sein als eben die gezeugte. Sowie daher niemand gerecht sein kann ohne Gerechtigkeit, so kann auch niemand als Gerechter gezeugt sein ohne gezeugte Gerechtigkeit."
Drittens. "Das Sein ist auch die Aktualität aller Wesensformen. Daher sagt Avicenna in seiner Metaphysik VIII c. 6: 'Was jedes Ding ersehnt, ist Sein und Vollkommenheit'."
Viertens. "Das Sein selbst empfängt sein Dasein nicht in einem andern oder von einem andern oder durch ein anderes, auch kommt es nicht zu etwas hinzu oder gesellt sich einem nachträglich bei, sondern es geht allem vorher und ist früher als alles andere; es ist also das Sein aller Dinge unmittelbar von der ersten und allgemeinen Ursache aller Dinge. Von diesem Sein und durch dieses Sein und in ihm ist alles, es selbst aber ist nicht von einem andern. Denn was von dem Sein verschieden ist, das ist überhaupt nicht oder ist nichts. Denn das Sein selbst verhält sich zu allem wie Wirklichkeit und Vollkommenheit; das Sein, sage ich, sofern es schlechthin Sein ist. Und weiter: 'Das Sein ist dasjenige, was wahrhaft ersehnt wird'. Darum gehört auch ein jedes Ding, so beweglich und veränderlich es auch sei, in das Bereich des Metaphysikers, sofern es nämlich ein Seiendes ist. Sogar die Materie, also die Wurzel der veränderlichen Dinge als solcher, und weiterhin das Sein aller Dinge hat - unter der Rücksicht des Seins sein Maß an der Ewigkeit, nicht an der Zeit."
Fünftens. "Das Sein ist Gott. Dieser Satz leuchtet ein. Denn erstens, wenn das Sein etwas von Gott Verschiedenes wäre, so könnte man von Gott weder sagen, daß er ist, noch daß er Gott ist. Denn wie könnte er sein oder etwas sein, wenn das Sein ihm gegenüber etwas anderes, Fremdes, Unterschiedenes ist? Oder wenn Gott ist, ohne das Sein zu sein, so gehört er jedenfalls anderswohin, da das Sein etwas anderes ist als er. Also ist Gott und das Sein dasselbe - oder aber Gott hat das Sein von einem andern und ist somit nicht, wie vorausgesetzt, selbst das erste, sondern etwas anderes als er ist früher als er und ist ihm Ursache seines Seins.
Ferner, alles, was ist, hat durch das Sein und von dem Sein Dasein oder Existenz. Wenn mithin das Sein etwas anderes ist als Gott, so haben die Dinge ihr Dasein anderswoher als von Gott.
Und weiter, vor dem Sein ist nichts. Somit ist dasjenige, was das Sein mitteilt, der Schaffende, ist Schöpfer. Denn Schaffen heißt das Sein aus dem Nichts verleihen. Nun steht aber fest, daß alles sein Sein von dem Sein selbst hat, so wie etwas beliebiges nur weiß ist vermöge der Weiße an sich. Wenn mithin das Sein etwas anderes ist als Gott, dann wäre der Schöpfer etwas anderes als Gott.
Und wiederum, alles, was Sein hat, ist - wie auch immer seine anderen Bestimmungen sein mögen -, so wie alles, was Weiße hat, weiß ist. Wenn somit das Sein etwas anderes ist als Gott, so könnten die Dinge ohne Gott sein, und dann wäre Gott nicht die erste Ursache, wäre den Dingen nicht Ursache, daß sie sind.
Weiter, außer dem Sein und vor dem Sein ist nur das Nichts. Wenn somit das Sein etwas anderes ist als Gott und Gott fremd, so wäre Gott nichts oder er wäre seinerseits von einem anderen aus sich Seienden, und zwar einem früheren aus sich Seienden, und dies wäre dann eigentlich Gott für Gott selbst und wäre der Gott aller Dinge. Darauf spielt das Wort des Buches Exodus, 3. Kap., an: 'Ich bin, der ich bin'."
Sechstens. "Von Gott allein haben alle Dinge Sein, Eins-sein, Wahrsein, Gut-sein. Das geht aus dem bereits Gesagten hervor. Denn wie könnte wohl etwas sein, wenn nicht von dem Sein und durch das Sein? Oder wie könnte etwas eins sein, wenn nicht von dem Einen und durch das Eine oder durch die Einheit? Oder wie könnte etwas wahr sein, wenn nicht durch die Wahrheit, oder gut, wenn nicht durch die Güte?"
Siebtens. "Alles und jedes Seiende hat unmittelbar von Gott selbst sein ganzes Sein, seine ganze Einheit, Wahrheit, Güte. Die Erklärung dafür lautet folgendermaßen: Unmöglich kann dem Sein selbst irgend ein Sein oder irgend eine Weise oder Besonderheit des Seins abgehen oder mangeln. Denn eben dadurch, daß es mangelte oder abginge, ist es nicht und ist ein Nichts. Gott aber ist das Sein."
Achtens. "Der Anfang, 'in dem Gott Himmel und Erde schuf', ist das erste, einfache Jetzt der Ewigkeit: jenes ganz und gar selbe Jetzt, sage ich, in dem Gott von Ewigkeit her ist und in dem auch ewig war und ist und sein wird der Ausgang der göttlichen Personen. Moses will also sagen, daß Gott Himmel und Erde in jenem absoluten ersten Anfang geschaffen habe, in dem Gott selbst ohne jede Zwischenzeit und Unterbrechung ist. Als ich daher eines Tages gefragt wurde, warum Gott die Welt nicht Früher geschaffen habe, antwortete ich: weil er nicht konnte, darum, weil es kein Früher gab noch ein Früher gewesen war, ehe die Welt war.
Sodann, wie konnte er Früher geschaffen haben, da er alsbald in jenem Jetzt die Welt erschuf, in dem er Gott war? Man darf sich doch nicht fälschlich vorstellen, als wäre Gott gleichsam dagestanden, ein künftiges, zeitlich gemessenes Jetzt erwartend, um darin die Welt zu erschaffen. Denn zugleich und in einem damit, daß er Gott war und seinen ewigen, durchaus wesensgleichen Sohn zeugte, da schuf er auch die Welt. Iob: 'Einmal spricht Gott'. Er spricht, indem er den Sohn zeugt, denn der Sohn ist das Wort. Er spricht aber auch, indem er die Kreatur erschafft. Der Psalmist sagt: 'Er hat gesprochen, und es ist geworden; er hat befohlen, und es ist geschaffen'. Daher heißt es in einem anderen Psalm: 'Einmal hat Gott gesprochen - diese zwei habe ich vernommen' - : 'zwei', sage ich, nämlich Himmel und Erde, oder besser gesagt: 'diese zwei', nämlich den Ausgang der Personen und die Erschaffung der Welt - was beides indessen er in einem Mal spricht, 'einmal gesprochen hat'."
Neuntens. "Das letzte im Seienden ist auch das erste und verhält sich gleichmäßig zum Sein und im Bereich des Seins wie das Höchste im Seienden, gemäß dem Worte: 'Wenn ich zum Himmel aufgefahren sein werde' etc."
Zehntens. "Gott ist auf alle Weise und in jeder Hinsicht einer, so daß in ihm keinerlei Vielheit zu finden ist, weder im Verstand noch außerhalb, wie Rabbi Moses (Dux dubitantium) 1. I c. 50 sagt. Wer nämlich (zwei oder) Unterschied sieht, sieht sicher nicht Gott. Denn Gott ist einer, jenseits aller Zahl und über alle Zahl erhaben und schickt sich nicht in irgend eine Zahl mit etwas anderem.
Zur Begründung dieses Ausspruchs führt er nachher an: 'Das Sein bildet keine Zahl mit dem Ding, noch überhaupt eine Form mit dem Geformten. Alles Sein aber und alle Form ist von Gott, dem ersten Sein und der ersten Form'. Es kann also in ihm keine Scheidung sein oder gedacht werden."
Elftens. "In allem Geschaffenen ist zu unterscheiden das Sein, das von einem andern ist, und das Wesen, das nicht von einem andern ist."
Zwölftens. "Wiederum aus der Genesiserklärung: "Das äußere Tun ist nicht eigentlich gut oder göttlich, und nicht dies ist es eigentlich, was Gott wirkt oder zeugt. Denn was der Vater wirkt, das wirkt er bis zur Stunde ohne Unterlaß."

Die Sätze, die den Predigten entnommen wurden:
Die folgenden Sätze sind aus Predigten ausgezogen, die Meister Eckehart zugeschrieben werden:

Der erste Satz ist: "Der Vater zeugt in mir seinen Sohn, und da bin ich derselbe Sohn und nicht ein anderer." Da wir Söhne sind, sind wir noch nicht Erben.
Text im edierten Original:
Dâ der vater sînen sun in mir gebirt, dâ bin ich der selbe sun und niht ein ander: wir sîn wol ein ander an menscheit, aber dâ bin ich der selbe sun und niht ein ander. Dâ wir süne sin, dâ sîn wir rehte erben.
Zum selben Punkt anderwärts: "Gott wirkt alle seine Werke darum, daß wir sein eingeborener Sohn seien."
Es folgt: "Dieser Mensch steht in Gottes Erkennen und Lieben und wird kein anderes, denn was Gott selber ist."
Desgleichen: "Der Vater zeugt mich als seinen Sohn und denselben Sohn ohne allen Unterschied."
Es folgt: "Wir werden gänzlich umgestaltet und verwandelt in Gott in gleicher Weise, wie in dem Sakrament Brot verwandelt wird in den Leib Christi. Wieviel der Brote auch seien, so wird doch nur ein Leib." "Denn was in das andere verwandelt wird, das wird eins mit ihm. Ebenso werde ich in sein Wesen verwandelt als eines, nicht als das gleiche Sein.
Zweitens. An anderer Stelle: "Der edle Mensch ist nicht damit zufrieden, daß er der eingeborene Sohn sei, den der Vater ewig zeugt; er möchte auch Vater sein und nach dem Bilde der ewigen Vaterschaft ihn zeugen, von dem ich ewig gezeugt bin."
Drittens. "Die Tugend hat ihre Wurzel im Grunde der Gottheit versenkt und gepflanzt, wo sie ihr Sein und ihr Wesen hat - nur da und sonst nirgends."
Viertens. "Der demütige Mensch ist Gottes so mächtig wie Gott seiner selbst, und was immer in allen Engeln und Heiligen sich finden mag, das ist dem demütigen Menschen zu eigen. Was immer Gott wirkt, das wirkt er, und was immer Gott ist, das ist er, ein Leben und ein Sein."
Fünftens: Auch,daß eine Kraft in der Seele ist, die ein Wirken mit Gott hat. Sie schafft und tut alles mit Gott und hat mit nichts etwas gemein und zeugt mit dem Vater denselben eingeborenen Sohn.
Sechstens. "Eine Kraft ist in der Seele, wäre die Seele also, so wäre sie ungeschaffen und unschaffbar. Nun aber ist es nicht so; denn in dem andern Teile hat sie eine Abhängigkeit zur Zeit, da berührt sie die Geschaffenheit und ist geschaffen. Aber dieser Kraft, das ist dem Intellekt, ist ebenso gegenwärtig, was jenseits des Meeres ist wie dieser Ort, an dem ich stehe."
Desgleichen an anderer Stelle: "In der Seele ist eine Kraft oder Fähigkeit, die nicht geschaffen noch schaffbar ist, und wenn die ganze Seele so wäre, so wäre sie ungeschaffen", und dann wäre die Seele, soweit ihre Natur reichte, auch ungeschaffen. Nun hat es aber mit der Seele diese Bewandtnis, daß die Natur der Seele soweit reicht, als sie geschaffen ist.
Siebtens. Da nun die menschliche Natur allen Menschen gemeinsam und gleich eigen ist, so gab mir der Vater in der menschlichen Natur alles, was er nur je seinem Sohn gab. Hierin ist keine Ausnahme. Was immer es sei, es ist mir zu eigen wie ihm. Noch mehr sage ich: "In allem, was ihm der Vater gab in der menschlichen Natur, darin hatte er in erster Linie mich im Auge und meinte mehr mich als den Menschen Christus und gab mir mehr als ihm. Sicherlich, denn er gab es ihm meinetwegen, da er des nicht bedurfte, wohl aber ich. Deshalb hat der Vater mit allem, was er dem Sohn gab, mich gemeint und teilte mir's mit so gut wie ihm. Hier nehme ich nichts aus: nicht das Eins-sein mit der Gottheit noch die Heiligkeit noch irgend etwas anderes. Was immer er ihm in der menschlichen Natur gab, ist mir nicht fremder als ihm."
Als Grund dafür wird angegeben, daß "der Sohn nicht menschliche Person, sondern Natur annahm". Da also die menschliche Natur gemeinsam ist etc., wie oben.
Der achte Satz handelt von dem Bilde in der Seele, daß nämlich das "Bild" der Dreifaltigkeit in der Seele "gleichsam deren einiger Ausdruck ist, jenseits von Wille und Verstand." Und dies Bild der Seele ist nicht sich selbst eigen, "sondern zumeist dem, von dem es sein Sein und seine Natur empfangen hat", nicht ein anderes Sein, sondern dasselbe.
Das wird an der Stelle in drei Beispielen erklärt: Vom Bild in dem Spiegel, vom Bild der Mauer im Auge und vom Ast, der aus dem Baume hervorkommt. Demgemäß wird über das Bild in der Seele beigefügt, daß es gleichsam ein einiger Ausdruck ihrer selbst ist "und was hervorgeht, ist dasselbe wie das, was innen bleibt, und was innen bleibt, ist dasselbe wie das, was ausgeht. Dies Bild ist der Sohn [sapientia - die Weisheit]" des Vaters und ich bin dies Bild.
Neuntens. Der Mensch könne dazu gelangen, daß "der äußere Mensch gehorsam ist dem inneren Menschen bis zu seinem Tod und dann in stetem Frieden im Dienste Gottes ist allezeit."
Zehntens. "Ich dachte neulich, ob ich von Gott etwas nehmen oder begehren wollte. Ich will es mir gar sehr überlegen."
Elftens. Desgleichen, nach einigen Vorbemerkungen: "Der Mensch, der in Liebe steht, der muß sich selbst tot sein und allen geschaffenen Dingen und seiner selbst so wenig achten wie eines über tausend Meilen. Der Mensch bleibt in der Gleichheit und in der Einigkeit."
Weiter: "Der Mensch soll den Nächsten lieben wie sich selbst", nicht nur, "wie gemeinhin unverständige Leute sagen, daß er ihn lieben soll zu dem Gute", sondern "man soll ihn auf jede Weise und so sehr lieben wie sich selbst."
Hierher gehört auch: "Nun sprechen etliche Leute: Ich habe meinen Freund lieber, von dem mir gut geschieht, denn einen anderen Menschen. Ihnen ist unrecht; es ist unvollkommen, Und es ist natürlich einen Menschen lieber zu haben als einen andern."
Zwölftens. "Paulus spricht: Ich wollte ewiglich geschieden sein von Gott um meines Freundes und um Gottes willen."
Darauf folgt, das Paulus "in ganzer Vollkommenheit stand", als er dies Wort sprach. "Das will ich erklären: Das höchste, was der Mensch lassen kann, das ist, daß er Gott um Gottes willen lasse. Nun ließ Paulus Gott um Gottes willen: er ließ alles das, was er von Gott nehmen konnte und was Gott ihm geben konnte."
Dreizehntens. Es ist in der Seele gleichsam eine "Burg", von der "ich bisweilen gesagt habe, sie sei eine Hütte des Geistes", bisweilen, "es sei ein Fünklein." Es folgt: "Es ist gar ein und einfältig, wie Gott ein und einfältig ist, daß ihm nicht einmal Gott Vater zuschauen kann, sofern er sich nach Weise und Eigenschaft seiner Personen verhält. Und würde Gott es so sehen, es müßte ihn alle seine göttlichen Namen kosten und seine persönlichen Eigenschaften. Aber sofern er einfältig einer ist, ohne alle Weise und Eigenschaft, wo er weder Vater noch Sohn noch heiliger Geist ist", "in diesem Sinn kann er eingehen in jenes eine, was ich die Burg nenne."
Vierzehntens. Wie "mein Leib und meine Seele in einem Sein vereinigt sind", und wie "die Speise die ich gegessen, ein Sein hat mit meiner Natur", so "werden wir mit Gott eins in einem Sein, nicht nur in einem Wirken."
Ferner: "Es ist etwas in der Seele, das ist so mit Gott verwandt, daß es eins ist und nicht vereint."
Ferner, zum Gleichen: "Ähnlichsein ist übel und täuschend. Wenn ich eins wäre, so wäre ich nicht ähnlich. Nichts ist äußerlich in der Einheit. Einheit gibt mir Eins-sein, nicht Ähnlich-sein."
Fünfzehntens. "Alle Kreaturen sind ein bloßes Nichts. Ich sage nicht, daß sie klein sind oder etwas sind, sie sind ein bloßes Nichts keine Kreatur hat Sein."
Sechzehntens. "Wie es auch sei, daß dir ein anderes besser schiene oder besser wäre - für den guten Menschen, der Gottes Willen sucht, für den ist das beste, was Gott über ihn zuläßt , es sei Hunger oder Durst, es sei Andacht oder Innigkeit, ob du deren hast oder nicht hast: das ist das beste."




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Folgendes sind die Sätze aus einem Buche Meister Eckeharts, und zwar jener Schrift entnommen, die er über die Genesis verfaßt hat.

Erstens. "Hieraus geht deutlich hervor, daß die hl. Schrift in übertragenem Sinne auszulegen ist. Denn das, was in diesem dritten Kapitel gesagt wird, erklären die Heiligen und Lehrer durchwegs bildlich. Wenn man demgemäß auslegt, was hier über die Schlange gesagt wird, so kann man unter der Schlange die sinnlichen Vermögen, unter dem Weibe das niedere und unter dem Manne das höhere Vernunftprinzip verstehen. Unter dieser Voraussetzung scheint man, unbeschadet der sonstigen Auslegungen der Heiligen und Lehrer, möglicherweise vielleicht ebensowohl historisch wie bildlich sagen zu können, daß der übertragene Sinn von Schlange, Weib und Mann sich mit dem geschichtlichen oder buchstäblichen decke, wie es auch im Buch der Richter im 9. Kap. heißt: 'Es hielten die Bäume Versammlung und salbten einen König über sich und sprachen zum Ölbaum: Herrsche du über uns'. So ist nämlich auch, wenn wir sagen: 'Es lacht die Flur' oder 'Das Wasser läuft' der buchstäbliche Sinn der, daß die Wiese blüht und das Blühen ihr Lachen ist und ihr Lachen das Blühen. Wenn man auf solche Weise erklärt, was hier von Schlange, Weib und Mann gesagt wird, so werden viele Zweifel wegfallen, die man geltend zu machen pflegt, z. B. wie die Schlange und das Weib zusammen reden konnten."
Zweitens. "Bei der Rechtfertigung des Sünders wirken notwendig zusammen die ungezeugte, zeugende, hervorbringende Gerechtigkeit einerseits und die willfahrende anderseits. Desgleichen: Was mitwirkt, kann keine andere Gerechtigkeit sein als eben die gezeugte. Sowie daher niemand gerecht sein kann ohne Gerechtigkeit, so kann auch niemand als Gerechter gezeugt sein ohne gezeugte Gerechtigkeit."
Drittens. "Das Sein ist auch die Aktualität aller Wesensformen. Daher sagt Avicenna in seiner Metaphysik VIII c. 6: 'Was jedes Ding ersehnt, ist Sein und Vollkommenheit'."
Viertens. "Das Sein selbst empfängt sein Dasein nicht in einem andern oder von einem andern oder durch ein anderes, auch kommt es nicht zu etwas hinzu oder gesellt sich einem nachträglich bei, sondern es geht allem vorher und ist früher als alles andere; es ist also das Sein aller Dinge unmittelbar von der ersten und allgemeinen Ursache aller Dinge. Von diesem Sein und durch dieses Sein und in ihm ist alles, es selbst aber ist nicht von einem andern. Denn was von dem Sein verschieden ist, das ist überhaupt nicht oder ist nichts. Denn das Sein selbst verhält sich zu allem wie Wirklichkeit und Vollkommenheit; das Sein, sage ich, sofern es schlechthin Sein ist. Und weiter: 'Das Sein ist dasjenige, was wahrhaft ersehnt wird'. Darum gehört auch ein jedes Ding, so beweglich und veränderlich es auch sei, in das Bereich des Metaphysikers, sofern es nämlich ein Seiendes ist. Sogar die Materie, also die Wurzel der veränderlichen Dinge als solcher, und weiterhin das Sein aller Dinge hat - unter der Rücksicht des Seins sein Maß an der Ewigkeit, nicht an der Zeit."
Fünftens. "Das Sein ist Gott. Dieser Satz leuchtet ein. Denn erstens, wenn das Sein etwas von Gott Verschiedenes wäre, so könnte man von Gott weder sagen, daß er ist, noch daß er Gott ist. Denn wie könnte er sein oder etwas sein, wenn das Sein ihm gegenüber etwas anderes, Fremdes, Unterschiedenes ist? Oder wenn Gott ist, ohne das Sein zu sein, so gehört er jedenfalls anderswohin, da das Sein etwas anderes ist als er. Also ist Gott und das Sein dasselbe - oder aber Gott hat das Sein von einem andern und ist somit nicht, wie vorausgesetzt, selbst das erste, sondern etwas anderes als er ist früher als er und ist ihm Ursache seines Seins.
Ferner, alles, was ist, hat durch das Sein und von dem Sein Dasein oder Existenz. Wenn mithin das Sein etwas anderes ist als Gott, so haben die Dinge ihr Dasein anderswoher als von Gott.
Und weiter, vor dem Sein ist nichts. Somit ist dasjenige, was das Sein mitteilt, der Schaffende, ist Schöpfer. Denn Schaffen heißt das Sein aus dem Nichts verleihen. Nun steht aber fest, daß alles sein Sein von dem Sein selbst hat, so wie etwas beliebiges nur weiß ist vermöge der Weiße an sich. Wenn mithin das Sein etwas anderes ist als Gott, dann wäre der Schöpfer etwas anderes als Gott.
Und wiederum, alles, was Sein hat, ist - wie auch immer seine anderen Bestimmungen sein mögen -, so wie alles, was Weiße hat, weiß ist. Wenn somit das Sein etwas anderes ist als Gott, so könnten die Dinge ohne Gott sein, und dann wäre Gott nicht die erste Ursache, wäre den Dingen nicht Ursache, daß sie sind.
Weiter, außer dem Sein und vor dem Sein ist nur das Nichts. Wenn somit das Sein etwas anderes ist als Gott und Gott fremd, so wäre Gott nichts oder er wäre seinerseits von einem anderen aus sich Seienden, und zwar einem früheren aus sich Seienden, und dies wäre dann eigentlich Gott für Gott selbst und wäre der Gott aller Dinge. Darauf spielt das Wort des Buches Exodus, 3. Kap., an: 'Ich bin, der ich bin'."
Sechstens. "Von Gott allein haben alle Dinge Sein, Eins-sein, Wahrsein, Gut-sein. Das geht aus dem bereits Gesagten hervor. Denn wie könnte wohl etwas sein, wenn nicht von dem Sein und durch das Sein? Oder wie könnte etwas eins sein, wenn nicht von dem Einen und durch das Eine oder durch die Einheit? Oder wie könnte etwas wahr sein, wenn nicht durch die Wahrheit, oder gut, wenn nicht durch die Güte?"
Siebtens. "Alles und jedes Seiende hat unmittelbar von Gott selbst sein ganzes Sein, seine ganze Einheit, Wahrheit, Güte. Die Erklärung dafür lautet folgendermaßen: Unmöglich kann dem Sein selbst irgend ein Sein oder irgend eine Weise oder Besonderheit des Seins abgehen oder mangeln. Denn eben dadurch, daß es mangelte oder abginge, ist es nicht und ist ein Nichts. Gott aber ist das Sein."
Achtens. "Der Anfang, 'in dem Gott Himmel und Erde schuf', ist das erste, einfache Jetzt der Ewigkeit: jenes ganz und gar selbe Jetzt, sage ich, in dem Gott von Ewigkeit her ist und in dem auch ewig war und ist und sein wird der Ausgang der göttlichen Personen. Moses will also sagen, daß Gott Himmel und Erde in jenem absoluten ersten Anfang geschaffen habe, in dem Gott selbst ohne jede Zwischenzeit und Unterbrechung ist. Als ich daher eines Tages gefragt wurde, warum Gott die Welt nicht Früher geschaffen habe, antwortete ich: weil er nicht konnte, darum, weil es kein Früher gab noch ein Früher gewesen war, ehe die Welt war.
Sodann, wie konnte er Früher geschaffen haben, da er alsbald in jenem Jetzt die Welt erschuf, in dem er Gott war? Man darf sich doch nicht fälschlich vorstellen, als wäre Gott gleichsam dagestanden, ein künftiges, zeitlich gemessenes Jetzt erwartend, um darin die Welt zu erschaffen. Denn zugleich und in einem damit, daß er Gott war und seinen ewigen, durchaus wesensgleichen Sohn zeugte, da schuf er auch die Welt. Iob: 'Einmal spricht Gott'. Er spricht, indem er den Sohn zeugt, denn der Sohn ist das Wort. Er spricht aber auch, indem er die Kreatur erschafft. Der Psalmist sagt: 'Er hat gesprochen, und es ist geworden; er hat befohlen, und es ist geschaffen'. Daher heißt es in einem anderen Psalm: 'Einmal hat Gott gesprochen - diese zwei habe ich vernommen' - : 'zwei', sage ich, nämlich Himmel und Erde, oder besser gesagt: 'diese zwei', nämlich den Ausgang der Personen und die Erschaffung der Welt - was beides indessen er in einem Mal spricht, 'einmal gesprochen hat'."
Neuntens. "Das letzte im Seienden ist auch das erste und verhält sich gleichmäßig zum Sein und im Bereich des Seins wie das Höchste im Seienden, gemäß dem Worte: 'Wenn ich zum Himmel aufgefahren sein werde' etc."
Zehntens. "Gott ist auf alle Weise und in jeder Hinsicht einer, so daß in ihm keinerlei Vielheit zu finden ist, weder im Verstand noch außerhalb, wie Rabbi Moses (Dux dubitantium) 1. I c. 50 sagt. Wer nämlich (zwei oder) Unterschied sieht, sieht sicher nicht Gott. Denn Gott ist einer, jenseits aller Zahl und über alle Zahl erhaben und schickt sich nicht in irgend eine Zahl mit etwas anderem.
Zur Begründung dieses Ausspruchs führt er nachher an: 'Das Sein bildet keine Zahl mit dem Ding, noch überhaupt eine Form mit dem Geformten. Alles Sein aber und alle Form ist von Gott, dem ersten Sein und der ersten Form'. Es kann also in ihm keine Scheidung sein oder gedacht werden."
Elftens. "In allem Geschaffenen ist zu unterscheiden das Sein, das von einem andern ist, und das Wesen, das nicht von einem andern ist."
Zwölftens. "Wiederum aus der Genesiserklärung: "Das äußere Tun ist nicht eigentlich gut oder göttlich, und nicht dies ist es eigentlich, was Gott wirkt oder zeugt. Denn was der Vater wirkt, das wirkt er bis zur Stunde ohne Unterlaß."

Die Sätze, die den Predigten entnommen wurden
Die folgenden Sätze sind aus Predigten ausgezogen, die Meister Eckehart zugeschrieben werden:

Der erste Satz ist: "Der Vater zeugt in mir seinen Sohn, und da bin ich derselbe Sohn und nicht ein anderer." Da wir Söhne sind, sind wir noch nicht Erben.
Text im edierten Original:
Dâ der vater sînen sun in mir gebirt, dâ bin ich der selbe sun und niht ein ander: wir sîn wol ein ander an menscheit, aber dâ bin ich der selbe sun und niht ein ander. Dâ wir süne sin, dâ sîn wir rehte erben.
Zum selben Punkt anderwärts: "Gott wirkt alle seine Werke darum, daß wir sein eingeborener Sohn seien."
Es folgt: "Dieser Mensch steht in Gottes Erkennen und Lieben und wird kein anderes, denn was Gott selber ist."
Desgleichen: "Der Vater zeugt mich als seinen Sohn und denselben Sohn ohne allen Unterschied."
Es folgt: "Wir werden gänzlich umgestaltet und verwandelt in Gott in gleicher Weise, wie in dem Sakrament Brot verwandelt wird in den Leib Christi. Wieviel der Brote auch seien, so wird doch nur ein Leib." "Denn was in das andere verwandelt wird, das wird eins mit ihm. Ebenso werde ich in sein Wesen verwandelt als eines, nicht als dasgleiche Sein.
Zweitens. An anderer Stelle: "Der edle Mensch ist nicht damit zufrieden, daß er der eingeborene Sohn sei, den der Vater ewig zeugt; er möchte auch Vater sein und nach dem Bilde der ewigen Vaterschaft ihn zeugen, von dem ich ewig gezeugt bin."
Drittens. "Die Tugend hat ihre Wurzel im Grunde der Gottheit versenkt und gepflanzt, wo sie ihr Sein und ihr Wesen hat - nur da und sonst nirgends."
Viertens. "Der demütige Mensch ist Gottes so mächtig wie Gott seiner selbst, und was immer in allen Engeln und Heiligen sich finden mag, das ist dem demütigen Menschen zu eigen. Was immer Gott wirkt, das wirkt er, und was immer Gott ist, das ist er, ein Leben und ein Sein."
Fünftens: Auch,daß eine Kraft in der Seele ist, die ein Wirken mit Gott hat. Sie schafft und tut alles mit Gott und hat mit nichts etwas gemein und zeugt mit dem Vater denselben eingeborenen Sohn.
Sechstens. "Eine Kraft ist in der Seele, wäre die Seele also, so wäre sie ungeschaffen und unschaffbar. Nun aber ist es nicht so; denn in dem andern Teile hat sie eine Abhängigkeit zur Zeit, da berührt sie die Geschaffenheit und ist geschaffen. Aber dieser Kraft, das ist dem Intellekt, ist ebenso gegenwärtig, was jenseits des Meeres ist wie dieser Ort, an dem ich stehe."
Desgleichen an anderer Stelle: "In der Seele ist eine Kraft oder Fähigkeit, die nicht geschaffen noch schaffbar ist, und wenn die ganze Seele so wäre, so wäre sie ungeschaffen", und dann wäre die Seele, soweit ihre Natur reichte, auch ungeschaffen. Nun hat es aber mit der Seele diese Bewandtnis, daß die Natur der Seele soweit reicht, als sie geschaffen ist.
Siebtens. Da nun die menschliche Natur allen Menschen gemeinsam und gleich eigen ist, so gab mir der Vater in der menschlichen Natur alles, was er nur je seinem Sohn gab. Hierin ist keine Ausnahme. Was immer es sei, es ist mir zu eigen wie ihm. Noch mehr sage ich: "In allem, was ihm der Vater gab in der menschlichen Natur, darin hatte er in erster Linie mich im Auge und meinte mehr mich als den Menschen Christus und gab mir mehr als ihm. Sicherlich, denn er gab es ihm meinetwegen, da er des nicht bedurfte, wohl aber ich. Deshalb hat der Vater mit allem, was er dem Sohn gab, mich gemeint und teilte mir's mit so gut wie ihm. Hier nehme ich nichts aus: nicht das Eins-sein mit der Gottheit noch die Heiligkeit noch irgend etwas anderes. Was immer er ihm in der menschlichen Natur gab, ist mir nicht fremder als ihm."
Als Grund dafür wird angegeben, daß "der Sohn nicht menschliche Person, sondern Natur annahm". Da also die menschliche Natur gemeinsam ist etc., wie oben.
Der achte Satz handelt von dem Bilde in der Seele, daß nämlich das "Bild" der Dreifaltigkeit in der Seele "gleichsam deren einiger Ausdruck ist, jenseits von Wille und Verstand." Und dies Bild der Seele ist nicht sich selbst eigen, "sondern zumeist dem, von dem es sein Sein und seine Natur empfangen hat", nicht ein anderes Sein, sondern dasselbe
Das wird an der Stelle in drei Beispielen erklärt: Vom Bild in dem Spiegel, vom Bild der Mauer im Auge und vom Ast, der aus dem Baume hervorkommt. Demgemäß wird über das Bild in der Seele beigefügt, daß es gleichsam ein einiger Ausdruck ihrer selbst ist "und was hervorgeht, ist dasselbe wie das, was innen bleibt, und was innen bleibt, ist dasselbe wie das, was ausgeht. Dies Bild ist der Sohn [sapientia - die Weisheit]" des Vaters und ich bin dies Bild.
Neuntens. Der Mensch könne dazu gelangen, daß "der äußere Mensch gehorsam ist dem inneren Menschen bis zu seinem Tod und dann in stetem Frieden im Dienste Gottes ist allezeit."
Zehntens. "Ich dachte neulich, ob ich von Gott etwas nehmen oder begehren wollte. Ich will es mir gar sehr überlegen."
Elftens. Desgleichen, nach einigen Vorbemerkungen: "Der Mensch, der in Liebe steht, der muß sich selbst tot sein und allen geschaffenen Dingen und seiner selbst so wenig achten wie eines über tausend Meilen. Der Mensch bleibt in der Gleichheit und in der Einigkeit."
Weiter: "Der Mensch soll den Nächsten lieben wie sich selbst", nicht nur, "wie gemeinhin unverständige Leute sagen, daß er ihn lieben soll zu dem Gute", sondern "man soll ihn auf jede Weise und so sehr lieben wie sich selbst."
Hierher gehört auch: "Nun sprechen etliche Leute: Ich habe meinen Freund lieber, von dem mir gut geschieht, denn einen anderen Menschen. Ihnen ist unrecht; es ist unvollkommen, Und es ist natürlich einen Menschen lieber zu haben als einen andern."
Zwölftens. "Paulus spricht: Ich wollte ewiglich geschieden sein von Gott um meines Freundes und um Gottes willen."
Darauf folgt, das Paulus "in ganzer Vollkommenheit stand", als er dies Wort sprach. "Das will ich erklären: Das höchste, was der Mensch lassen kann, das ist, daß er Gott um Gottes willen lasse. Nun ließ Paulus Gott um Gottes willen: er ließ alles das, was er von Gott nehmen konnte und was Gott ihm geben konnte."
Dreizehntens. Es ist in der Seele gleichsam eine "Burg", von der "ich bisweilen gesagt habe, sie sei eine Hütte des Geistes", bisweilen, "es sei ein Fünklein." Es folgt: "Es ist gar ein und einfältig, wie Gott ein und einfältig ist, daß ihm nicht einmal Gott Vater zuschauen kann, sofern er sich nach Weise und Eigenschaft seiner Personen verhält. Und würde Gott es so sehen, es müßte ihn alle seine göttlichen Namen kosten und seine persönlichen Eigenschaften. Aber sofern er einfältig einer ist, ohne alle Weise und Eigenschaft, wo er weder Vater noch Sohn noch heiliger Geist ist", "in diesem Sinn kann er eingehen in jenes eine, was ich die Burg nenne."
Vierzehntens. Wie "mein Leib und meine Seele in einem Sein vereinigt sind", und wie "die Speise die ich gegessen, ein Sein hat mit meiner Natur", so "werden wir mit Gott eins in einem Sein, nicht nur in einem Wirken."
Ferner: "Es ist etwas in der Seele, das ist so mit Gott verwandt, daß es eins ist und nicht vereint."
Ferner, zum Gleichen: "Ähnlichsein ist übel und täuschend. Wenn ich eins wäre, so wäre ich nicht ähnlich. Nichts ist äußerlich in der Einheit. Einheit gibt mir Eins-sein, nicht Ähnlich-sein."
Fünfzehntens. "Alle Kreaturen sind ein bloßes Nichts. Ich sage nicht, daß sie klein sind oder etwas sind, sie sind ein bloßes Nichts keine Kreatur hat Sein."
Sechzehntens. "Wie es auch sei, daß dir ein anderes besser schiene oder besser wäre - für den guten Menschen, der Gottes Willen sucht, für den ist das beste, was Gott über ihn zuläßt , es sei Hunger oder Durst, es sei Andacht oder Innigkeit, ob du deren hast oder nicht hast: das ist das beste."