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Marc Auge ist ein französischer ethnologe, geboren in 1935 in Poitiers. Er hat in 70.jahren Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) besucht, um die geschichte des volks der Alladianen zu erforschen. Später hat er sich mit der französischen gesellschaft beschäftigt, wo er auch mehrere methoden, die er zwischen Alladianen entwickelt hat benutzt.

In letzter dekade beschäftigt er sich viel mit der methodologie und dem sinn seiner disziplin. Im Buch "Orte und Nicht-Orte" stellt er eine Methode der ethnologischen Forschung vor, die die Umgebung des Forschers selbst als Gegenstand hat. Seiner Meinung nach, wurde der traditionelle Dualismus "hier/anderswo" durch den des "nahe/ferne" ersetzt. Die vorherige Untersuchungsmethode stellt sich den Gegenstand (der "anderswo" als "hier" ist, sich also anderswo als an Stelle des Ethnologen befindet; zB. ein Dorf in Afrika) als verschieden vor, unterentwickelt im Vergleich zu "hier" (Frankreich, Europa). Das "hier" gewinnt dadurch auch an Identität. Was Auge versucht, ist, dass "hier" als Forschungsgegenstand zu betrachten. Das "nahe" wird nicht im Kontrast definiert, sondern beschrieben durch den gegenwärtigen Zustand seiner Elemente (wie soziale Institutionen oder Gebräuche). Das "nahe" also enthält nicht nur bloss räumliche Umgebung, sondern auch die spezifische Eigenschaften seines Zeitalters:

"Es geht...um Gegenwart schlechthin, um die aktuellste Aktualität in ihren aggressivsten und beunruhigendsten Momenten" (s.18)

Auge bezeichnet seine Gegenwart als "Übermoderne". Sie unterscheidet sich von der Moderne in zwei Aspekten : zeitlich in dem Übermaß der Ereignisse (dass viel, viel Unterschiedliches, schnell und oft passiert) und räumlich in scheinbarer Verkleinerung der Welt (durch Verkehrsmittel und Urlaubungsreisen, Tourismus, Distribution der Werbebotschaften). Wegen Verdichtung der Städte und Vielvalt der Bilder wird der Raum reorganisiert durch Migration und Nicht-Orte, die den Verkehr und die Orientierung erleichtern. In so einer Zeit, in der die Grenzen der typischen Gegenstände der Ethnologie (Ethnie: Stamm, Stadt, Kommune) unklar werden, da die Leute nicht mehr so zwingend mit ihrem Raum verbunden sind. Jedes Individuum kann als ein vollständiges ethnologisches Forschungsobjekt betrachtet werden.

Um den Begriff "Nicht-Ort" zu verstehen, muss man zuerst sein Gegenteil, den anthropologischen Ort, begreifen. Solche Orte sind Stellen der Geburt, des Lebens, der Arbeit etc. (s.53), die auf die Identität der Bewohner wirken, ihre Beziehungen reflektieren und erst historisch bestimmt werden. Sie sind Häuser, Altäre, öffentliche Plätze, Territorien oder Geburtsorte.

Der anthropologische Ort verbindet die Rollen seiner Bewohner (dem Gegenstands der Ethnologie) und die des Ethnologen. Die beiden erfahren illusorische Definitionen der beobachteten Kultur. Der Eingeborene sieht seinen Ort als ewig präsent. Die Welt ändert sich für ihn nicht. Wenn ein unvorsehbares Ereignis (wie Tod, Geburt, Krankheit; s.55) eintritt, wird es als bekannte Sache erkannt und durch Riten behandelt, in denen ihre Normalität und Wohlbegründung ausgedrückt wird. Ethnologie erschafft eine andere Illusion: nämlich das Denken, dass der Bewohner seine Kultur als transparent und klar definiert wahrnimmt. Diese Vorstellung wird durch die Suche nach "Durchschnittsmenschen" verursacht, die die beobachtete Kultur am besten repräsentieren. Die individuellen Haltungen zur Umgebung werden aber übersehen.

Sowohl die Bewohner des afrikanischen Dorfes als auch die Ethnologen haben das Gefühl, dass ihre eigene Welt geschlossen und selbstgenügend ist. Unsere Identität und Wohnstatt wird durch unseren Geburtsort bestimmt (Kinder, die in Afrika ausserhalb eines Dorfes geboren werden, bekommen deswegen besondere Namen, die die Umgebung umschreiben; s.64). Der Ort verbindet die Identitäten mehrerer Personen, reflektiert ihre Raumordnung, ihre Residenzregeln. Es geht um eine stabile Vorstellung, die nicht als veränderbar wahrgenommen wird ("der Bewohner eines anthropologischen Ortes wohnt in der Geschichte, er macht sie nicht", s.67). Die Bewohner haben eigene Vorstellungen über den Ort ihres Lebens (Territorium) und versuchen sie zu verwirklichen und zu materialisieren. Mit der Zeit verschwinden alte Traditionen, der Untergang selbst wird aber nicht beobachtet, nur die Versuche der Wiederbelebung (Feste, s.67).

Diese Vorstellungen wurden nach Auge geometrisch kategorisierbar und man kann sie in der Raumordnung der Siedlungen beobachten: es geht um eine Linie (der Weg; nämlich von einem Ort zum anderen, zB. zwischen zwei Städten), die Schnittpunkte zweier Linien (Kreuzungen; Versammlungsplätze, Märkte) oder den Schnittpunkt selbst (Zentren; Monumente, politische oder religiöse Gebäude).

Wenn der Weg als teil eines anthropologischen ortes betrachtet wird, wird er als eine Reihe der "ausgezeichneten Punkte" (s.70) der wichtigen Sachen verstanden. Sie durchgeht die Grenzen verschiedener Sphären menschlicher Tätigkeiten, kurz gesagt, sie verbindet. Die Relationen reflektieren sich zeitlich auf die Geschichte, sowie sie sich räumlich auf den Wegen reflektieren. Hier bringt Auge wieder ein Beispiel aus Afrika vor, die Gründungsgeschichten der Dörfer werden als ein "Weg mit mehreren Zwischenstationen" (s.71) beschrieben. Die beiden, sowohl Weg als auch Geschichte, können zeitlich gemessen werden, und zwar durch ihre Beständigkeit. Eine Kreuzung der Wege, wie ein gemeinsames Ereignis, passiert dann in zyklischen Perioden (zB. Märkte, s.72). Menschen versuchen die interessantesten Ereignisse, Taten und andere "Zwischenstationen" von Weg oder Geschichte auf Ewig in Form von Monumenten zu materialisieren.

Ein Zentrum ist das klarste Kennzeichen eines anthropologischen Ortes. Jeder einzelne Weg hat ein Ziel, reflektiert die Verbindungen zwischen individueller und kollektiver Erfahrung. Auge beschreibt das Zentrum mit der Metapher des Herrschers, der Doppelgänger von sich erschafft, um sich sichtbar machen (s.76) oder sich mit seinem Thron oder Palast identifiziert (dies gilt auch für moderne Staaten: zb Kreml, Weisses Haus; s.77). Eine verbindende Rolle lässt sich hier als ewig präsent und unbeweglich wahrnehmen. Deswegen drückt sich auch die politische Sprache mit Hilfe von Begriffen aus, die auch zur Orientierung im Raum benutzt werden: "links" und "rechts", Hauptstadt als Ersatz für Ansichten der Regierung usw.

Auge bespricht nichts abstraktes: sein Modell ist Frankreich selbst. Hier hat jedes Dorf ein Zentrum, centre-ville, einen Platz, der normalerweise auf der Kreuzung der Hauptwege liegt und beinhaltet die meisten kulturellen, religiösen und politischen Gebäude (Kneipe, Kirche, Rathaus), die zu bestimmten Zeiten (Sonntag, Markttag) intensiver genutzt werden. Viele Dörfer und Städte bezeichnen sich als ein Zentrum eines Raumes (zb Lyon als Hauptstadt der Gastronomie, oder Tiers als Hauptstadt der Schneiderwarenindustrie; s.82). Paris ist das Zentrum der Zentren, aber es wurde lang nicht als eine einzige Entität verstanden (das heisst sie hatte keinen Bürgermeister bis zur Chirac-Ära), sondern als Ansammlung von Palästen, die für verschiedene Machtelemente stehen.



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