cwbe coordinatez:
4684483
1495370
2365781
1487839
2427127

ABSOLUT
KYBERIA
permissions
you: r,
system: public
net: yes

neurons

stats|by_visit|by_K
source
tiamat
commanders
polls

total descendants::
total children::0
show[ 2 | 3] flat


BAUMGARTEN, Alexander Gottlieb, Philosoph, * 17.6. 1714 in Berlin, † 26.5. 1762 in Frankfurt an der Oder. - B. gilt als Begründer der von ihm so bezeichneten `Ästhetik' als philosophischer Disziplin. Seine Gymnasialzeit verbrachte der Sohn eines kinderreichen Garnisonspredigers zunächst in Berlin, wo er an der Schule zum Grauen Kloster Unterricht bei Martin Christgau, einem gelehrten Pädagogen, Philologen und Gelegenheitsschriftsteller, erhielt. Nach dem frühen Verlust seiner Eltern besuchte er das von August Hermann Francke im Geiste des Pietismus geleitete Seminar in Halle und studierte an der dortigen Universität Theologie, Philosophie und die `schönen Wissenschaften' (Rhetorik und Poetik). Wie sein Bruder, der Theologe Siegmund Jacob B. (1706-54), stand er unter dem Einfluß der rationalistischen Philosophie Christian Wolffs, dessen Vorlesungen er in Jena hörte. Die Absetzung und Ausweisung Wolffs durch den preußischen König hatte B.s Schuldirektor, der auch der Vorgesetzte von B.'s Vaters gewesen war, als Kopf der pietistischen Hallenser Orthodoxie maßgeblich betrieben. Nach dem Magisterexamen und eigenem Unterricht in Poetik und Logik an dem von ihm besuchten Waiseninstitut lehrte B. ab 1737 Philosophie (`Weltweisheit') an der Universität in Halle. Im Jahr der feierlichen Rückkehr Wolffs nach Halle (1740) wurde B. zum `Professor der Weltweisheit und der schönen Wissenschaften' in Frankfurt an der Oder berufen, wo der wiederverheiratete Witwer und Vater eines Sohnes und einer Tochter bis zu seinem Tode mit großem Erfolg wirkte.

Schon in seiner Magisterarbeit, welche die philosophischen Bedingungen eines Gedichts zum Thema hatte, versuchte B., dem Verhältnis von Poetik und Aisthesis, d.h. der Beziehung von Dichtkunst und sinnlicher Wahrnehmung, eine systematische Basis zu verleihen. Die Erweiterung des Wolffschen Systems durch eine philosophische Ästhetik als Wissenschaft sinnlicher Erkenntnis (»scientia cognitionis sensitivae«) bildete auch den bestimmenden Grundgedanken seines unvollendeten Hauptwerks, der zweibändigen »Aesthetica«. Das unvollendete Opus ist aus seinen Frankfurter Vorlesungen zur Ästhetik - den ersten dieser Art - hervorgegangen. B. wollte Aufklärung darüber geben, wie die Schönheit eines Kunstwerks den Sinnen als die Übereinstimmung der Teile zu einem Ganzen deutlich werde, und zwar analog zu den Prinzipien der Verstandeserkenntnis. Indem er Metaphysik, Psychologie und Poetologie miteinander verband, nobilitierte B. nicht nur das von Wolff als inferior klassifizierte `untere' Erkenntnisvermögen der Sinne (»gnoseologia inferior«), sondern auch die Dichtung, der er Wahrheitscharakter zuschrieb. Die Wahrnehmung des Schönen, d.h. die Erkenntnis der Vollkommenheit mannigfaltiger Erscheinung (»perfectio phaenomenon«) durch einen ästhetischen Sinn sei auch in metaphysischer Hinsicht analog zum objektiven Wahrheitsgehalt der »cognitio rationalis«. Seine Theorie der `freien Künste' (»theoria liberalium artium«) verstand B. nicht subjektivistisch, sondern als die Kunst, die sinnliche Erkenntnis des Schönen analog dem rationalen Denken darzustellen (»ars pulcre cogitandi, ars analogi rationis«). B.'s wissenschaftliche Ästhetik steht im Zusammenhang mit der anthropologischen Rehabilitation der Sinnlichkeit im 18. Jh. Ihr rationalistischer Sensualismus vermittelte im Unterschied zur Poetik seiner Zeit einen autonomen Kunstwerkbegriff, ohne jedoch das traditionelle Prinzip der Naturnachahmung vollständig preiszugeben. Grundlegend für B.'s Schönheitsbegriff war Leibniz' Vorstellung einer »prästabilierten Harmonie«, deren Parallelitätsprinzip B. auf das Verhältnis von Schönheit (sinnlicher Anschauung) und Wahrheit (intellektueller Erkenntnis) sowie von gesetzmäßiger Ordnung und subjektiver Produktion bzw. Rezeption des Kunstwerks übertrug. Indem B. die Dichtung als sinnlich vollkommene Rede (»oratio sensitiva perfecta«) definierte und den Dichter als »felix aestheticus« verstand, überwand er die Grenzen rhetorischer Pragmatik durch ein ästhetisches Ideal. Der damit verbundene Gedanke einer Synthese von Vernunft und Sinnlichkeit zu humaner Ganzheit, die in der ästhetischen Erfahrung und Praxis möglich sei, ging in die Kunstauffassung der deutschen Klassik ein, insbesondere in Schillers Briefe »Über die ästhetische Erziehung des Menschen«.

B. kann somit als Vorläufer der modernen Ästhetik gelten: Er leitete die Subjektivierung und Ästhetisierung des Wahrheitsdiskurses ein, ohne Willkürlichkeit zu postulieren. Sein fragmentarisches System impliziert die sinnliche Repräsentation einer ontologischen Ordnung, jedoch in analog-zeichenhafter und nicht in symbolisch-identischer Beziehung. Im Anschluß an B. vertieften Moses Mendelssohn und Johann Georg Hamann die ontologischen und metaphysischen Voraussetzungen des autonomen Schönen und setzten den Übergang von der rationalistischen Poetik der Aufklärung zur Ästhetik der Goethezeit und des deutschen Idealismus fort. Noch Hegel bezog sich in seinen Vorlesungen zur Ästhetik auf B. Verbreitung hatten dessen poetologische Gedanken durch die popularphilosophische Hermeneutik seines Schülers Georg Friedrich Meier gefunden (»Anfangsgründe aller schönen Wissenschaften und Künste«, I-III, Halle 1748-50, Reprint Hildesheim/New York 1976). Die philosophiegeschichtliche Bedeutung von B.'s »Metaphysik« und »Ethik« liegt in der Methode begrifflicher Analytik. B.'s Terminologie legte namentlich Kant seinen eigenen Vorlesungen zugrunde.


http://www.bautz.de/bbkl/b/baumgarten_a_g.shtml




There are currently 9864 K available in
2nd Guild's K-treasury.




get 1 🦆 for 5 🐘
get 1 🐘 for 1 🦆




axone Immanuel Kant